Landschaftsarchitektur Lernen – Geschichte, Gegenwart und Perspektiven

Sein 50-jähriges Bestehen feiert das Institut für Landschaftsarchitektur in Rapperswil (OST) mit einem historisch informativen Katalog, den die «Edition Hochparterre» wunderbar adäquat zu allen aufgeführten Themen gestaltet hat.
Die OST ist das einzige Institut in der Deutschschweiz, das «eine berufsbefähigende Landschaftsarchitektur- Ausbildung» anbietet. Praxisorientierte Lehre und Forschung führen zu engagierten Debatten über Krisen und drängender werden Zukunftsfragen. Von der Landschaftsplanung und -entwicklung im Sinne der Denkmalpflege über ökologische Forschungen bis zu architektonischen Visionen ist das Institut auch ein Ideenlabor. Zugleich betreibt es ein Archiv, das europaweit einzigartig ist.
Der Konnex zu Lucius Burckhardts «Spaziergangswissenschaften» liegt auf der Hand und verziert unsere Präsentation des empfehlenswerten Katalogs.
«Es handelt sich bei den Spaziergangwissenschaften um etwas ganz anderes als das traditionelle Flanieren. Sie sind eine Karikatur ihrer Vorbilder. Sie haben zwar deren Distanz zur Wirklichkeit geerbt, sie haben aber ihren nostalgischen Tenor verloren. Wir machen sie aus einer ironischen Haltung heraus. Denn heute kann man vieles nur so betrachten.»

Lucius Burckhardt geht also mit einem Objekt in die Landschaft, in die Stadt und konfrontiert damit sowohl diese Umgebung als auch deren Bewohner:innen oder eben Spazierende. Schlagartig verändern sich sowohl die Umgebung als auch der Blick auf sie oder aus ihr. – Bauprojekte, die in dieser Umgebung stattfinden sollen, werden mit etwas Ungewöhnlichem und Inadäquatem konfrontiert. Um diesen Aufruf geht es der Spaziergangswissenschaft.

Landschaftsarchitektur lernen – Geschichte, Gegenwart und Perspektiven.                                                   
50 Jahre Lehre und Forschung in Rapperswil.
Edition Hochparterre 2022
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Alex Capus: Susanna

In New York wird die Brooklyn Bridge eröffnet, Edisons Glühbirnen erleuchten die Stadt. Mittendrin Susanna, eine Malerin aus Basel, die mit ihrer Mutter nach Amerika ausgewandert ist. Während Maschinen die Welt erobern, kämpfen im Westen die Ureinwohner ums Überleben. Falsche Propheten versprechen das Paradies, die Kavallerie steht mit Gewehren bereit. Mit ihrem Sohn reist Susanna ins Dakota-Territorium. Sie will zu Sitting Bull, um ihn zu warnen. Das ergreifende Abenteuer einer eigenwilligen und wagemutigen Frau.

Alex Capus: Susanna. Hanser 2022.

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Amia Srinivasan „Das Recht auf Sex“

Eine Rezension von Julia Rüegger

Eine derzeit vielbeachtete Neuerscheinung ist „Das Recht auf Sex. Feminismus im 21. Jahrhundert“ der 1984 geborenen Philosophin Amia Srinivasan. Seit 2020 hat Srinivasan als bisher jüngste Person, erste Frau und erste nicht-weisse Person den renommierten Chichele-Lehrstuhl für Politik- und Gesellschaftstheorie an der Oxford University inne. Die Essaysammlung „Das Recht auf Sex“ ist ihr Debüt – und dafür, dass Srinivasan erst relativ spät zur feministischen Theorie gefunden hat, eine Textsammlung, die es knochentief in sich hat.

Obwohl Titel und besonders Untertitel des Buches grosse Erwartungen wecken, geht es inhaltlich (zum Glück) nicht um den Zehn-Punkte-Plan für einen zukünftigen Feminismus, sondern um eine hellwache und sehr kluge Bestandsaufnahme aktueller feministischer Debatten, deren Prägung durch verschiedene Schulen und historische Umstände sowie um deren kritische Revision heute. Dabei widmet sich Srinivasan mit Vorliebe Themen, die Feminist*innen seit jeher spalten und gesellschaftlich polarisieren: zum Beispiel der Pornografie und der Frage nach der Kriminalisierung oder Legalisierung von Prostitution. Dabei zeigt sie auf, wieso gerade diese alten Streitthemen noch immer von Gewicht sind: nicht obwohl, sondern weil es auf sie keine leichten Antworten gibt. Aber auch neuerer Phänome wie der rassistischen, frauen- und transfeindlichen Incel-Bewegung und der fortgeschriebenen Rassifizierung in Dating-Apps nimmt sich Srinivasan in ihrer ganzen Abgründigkeit an und wird nicht müde, auf die Paradoxien hinzuweisen, die sich bei genauerem Hinschauen immer schmerzlicher zeigen.  

So fragt Srinivasan im Essay „Die Politik des Begehrens“ danach, wie politisch geformt unser Begehren ist, und ob es wirklich emanzipiert ist, individuelles Begehren aus einer liberalen Haltung heraus als rein persönliche Angelegenheit zu verstehen, oder ob es nicht doch darum gehen könnte und sollte, das eigene Begehren einer politischen Kritik zu unterziehen um nicht blind die herrschenden Begehrensnormen zu reproduzieren.

Einem ähnlich komplexen Thema widmet sich der Text „Warum man nicht mit seinen Studierenden schlafen sollte“, in dem Srinivasan Einblick gibt in die teils bizarren, teils haarsträubenden Debatten darüber, ob akademische Lehre erotisch sein darf (oder sogar soll) und ob sexuelle Handlungen zwischen Lehrenden und Studierenden verboten gehören oder nicht. Eine Frage, die besonders im US-amerikanischen Sprachraum, wo in den letzten Jahrzehnten zunehmend gesetzliche Regelungen etabliert wurden, von grosser Brisanz ist. Auch hier weicht Srinivasan der Komplexität des Phänomens nicht aus, seziert vielmehr die verschiedenen Machtinteressen, ideologischen Vereinnahmungen und problematischen Freiheitsverständnisse, die sich in ihm niederschlagen – und zeigt auf, warum auch ein einvernehmliches Verhältnis systematisch Schäden anrichten kann, besonders zu Lasten von (nicht-weissen) Frauen*.

Im Essay „Sex, Karzeralismus, Kapitalismus“ schliesslich zeigt Srinivasan auf, wie oft gesetzliche Massnahmen zum Verbot oder zur Einschränkung von Prostitution gerade jenen Sexarbeiter*innen am meisten schaden, die aufgrund ihrer Armut, ihrer Hautfarbe oder ihres Aufenthaltsstatus ohnehin massiver Diskriminierung und existenzieller Bedrohung ausgesetzt sind.

Es handelt sich bei diesen Essays also nicht um eine spritzige popfeministische Lektüre, die mal eben so nebenbei gelesen und verdaut werden kann. Und das liegt nicht darin begründet, dass Srinivasan umständlich oder verklausuliert schreiben würde, sondern eben darin, dass sich die Essays jene Zonen auf dem feministischen Kampfplatz vorknöpfen, die unangenehm, verworren, moralisch höchst aufgeladen und politisch (seit Jahrzehnten) umstritten sind. Zudem basieren die Essays, die von Srinivasans enormer Belesenheit in feministischer Theoriebildung zeugen, auf einer intensiven Recherche, die historische Argumentationslinien und Narrative ebenso aufgreift wie aktuelle Zahlen und Studien.

Nach der Lektüre brummt einer*m der Kopf, und auf die Frage, wie ein reflektierter, progressiver und intersektionaler Feminismus im 21. Jahrhundert aussehen könnte, hat man keine klare Antwort erhalten, sondern vielmehr Orientierungshilfen dafür, in welche Richtung es weiter zu arbeiten, zu denken, lehren, lieben und kämpfen gilt, um den Weg zu mehr Gleichberechtigung für alle Menschen zu bereiten (und welche Fallstricke dabei zu vermeiden sind). Dies ist, angesichts der Komplexität der behandelten Themen, schon ein grosser Verdienst – und zeugt insbesondere auch von Srinivasans Befund, dass „eine wirklich inkludierende Politik […] eine unbequeme Politik ohne Geborgenheit [ist].“

Amia Srinivasan: Das Recht auf Sex. Feminismus im 21. Jahrhundert
Klett-Cotta Verlag 2022

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Zeitschrift für Ideengeschichte

Die Zeitschrift für Ideengeschichte fragt nach der veränderlichen Natur von Ideen, seien sie philosophischer, religiöser, politischer oder literarischer Art. Herausragende Fachleute aus allen Geisteswissenschaften gehen in Originalbeiträgen der Entstehung, den zahlreichen Metamorphosen, aber auch dem Altern von Ideen nach. Dabei erweist sich manch scheinbar neue Idee als alter Hut. Und umgekehrt gilt es, in Vergessenheit geratene Ideen neu zu entdecken. Die Zeitschrift für Ideengeschichte wendet sich an die gebildete Öffentlichkeit. Darüber hinaus strebt sie als Forum der Forschung und Reflexion eine fachübergreifende Kommunikation zwischen allen historisch denkenden und argumentierenden Geisteswissenschaften an. Mögen die Quellen der Zeitschrift im Archiv liegen, so ist ihr intellektueller Zielpunkt die Gegenwart. Sie beschreitet Wege der Überlieferung, um in der Jetztzeit anzukommen; sie stellt Fragen an das Archiv, die uns als Zeitgenossen des 21. Jahrhunderts beschäftigen.

Dieser Text ist mehrheitlich der Seite www.chbeck.de entnommen.
Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift ist im Labyrinth erhältlich.

Zeitschrift «Wespennest»

Ist das Coronavirus zufällig aus einem chinesischen Labor entwischt oder hat es sich doch – zufällig – per Zoonose auf den Menschen übertragen? Egal wie die Antwort lauten wird, die Folgen eines Zufalls sind Notwendigkeiten. Im Schwerpunkt der Frühjahrsausgabe dreht sich alles um den offenen Moment, in dem etwas auch anders ausgehen könnte, jenen kurzen unentschiedenen Augenblick vor der Entscheidung, den Riss in der Kette kausaler Verknüpfungen, von dem manche sagen, es gebe ihn gar nicht.

Unzählig sind die Versuche, den Zufall zu berechnen, ihn zu kontrollieren, zu lenken, die Kontingenz des Lebens zu bewältigen, denn der Zufall ist als Schicksal ungerecht und ein Skandal. Für die Kunst jedoch ist er das Lebenselixier. Die Autorinnen und Autoren des Schwerpunkts behandeln daher auch die Frage, wie wir finden, was wir nicht gesucht haben, wie Neues entsteht oder zumindest Unvorhergesehenes in bildender Kunst, im Roman, im Feature und in der Fotografie.

Ausserhalb des Schwerpunkts hingegen ist nichts dem Zufall überlassen: Mit Japan-Berichten in Comicform, eigensinnigen Wiener Capriccios, dem Reisetagebuch Joseph II u.a. beschäftigt sich der Buchbesprechungsteil, während die Strecke mit neuer Prosa und Dichtung um Fragen der Herkunft kreist – etwa als wilde Fantasie über den Ausgang eines DNA-Tests, mit Blick auf das qualvolle Innenleben eines Kinds und in Form dichterischer Aneignung der Bibelsprache Luthers.

Die 182. Ausgabe des «Wespennests» ist im Labyrinth erhältlich. Die Zeitschrift publiziert seit 1969 vierteljährlich, seit 2010 halbjährlich Texte internationaler Autorinnen und Autoren sowie literarische Neuentdeckungen.

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philExpo22 – 6. bis 15. Mai

eine Woche der Philosophie in der Schweiz

Die philExpo22 ist ein besonderes Philosophie-Festival. Die Besonderheit liegt in ihrem dezentralen und partnerschaftlichen Charakter. Die philExpo22 vereint eine Vielzahl von Initiativen, die vom 6. bis 15. Mai 2022 in allen Regionen der Schweiz und (mindestens) in vier Sprachen stattfinden. Ziel dieser Veranstaltungsreihe ist es, die kritische und strukturierte Reflexion wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Diskurses zu stellen.

Was wollen wir wissen? …

… ist die gemeinsame Leitfrage aller Veranstaltungen der PhilExpo22. Durch einen interdisziplinären Ansatz will die philExpo22 das Augenmerk auf die Beziehungen lenken, die die Philosophie nicht nur mit den Naturwissenschaften und den historischen Disziplinen, sondern auch mit der Literatur und den Künsten eingeht. Auf dem Programm stehen unterschiedliche Formen des philosophischen Austausches: Konferenzen, Seminare, thematische Workshops, runde Tische, aber auch philosophische Cafés, literarische Spaziergänge, Ausstellungen, Theaterstücke, Performances und Konzerte. Sie finden an vielen realen und virtuellen Orten statt.

eine Woche der Philosophie – auch im Labyrinth

Das Labyrinth freut sich, der philExpo22 seine Türen zu öffnen. In der Woche vom 6. bis 15. Mai 2022 werden wir parallel zum üblichen Angebot als Buchhandlung Raum bieten für vielseitige Begegnungen des philosophischen Austausches. Diese können spontan entstehen – einige sind bereits geplant. Am 10. Mai wird Luka Takoa das Café Philo zum Thema «Dialektik – anders denken» anbieten, am 14. Mai findet das Café Philo mit Martina Bernasconi statt. Darüber hinaus bietet Martina Bernasconi während der philExpo22 philosophische Schnupperberatungen an. Die einzelnen Gespräche finden zwischen den Bücherregalen des Labyrinths statt und bieten die Möglichkeit, den Fachbereich der philosophischen Beratung kennenzulernen. Eine Kurzberatung dauert 20 Minuten. Mehr Infos hier. Als einer von vielen Treffpunkten der philExpo22 freut sich das Labyrinth auf Ihr Vorbeischauen. Wärmstens empfehlen wir Ihnen die Ausstellung «philoSOPHIA», die weiblich gelesene Personen der Philosophie in ihr Zentrum stellt. Das Labyrinth ist dort mit einem Büchertisch präsent.

Podcast & Bilder: Elisabeth Masé „Das schlafende Krokodil“

Am Freitag 18. März 2022 durften wir die Buchhandlung für eine Lesung von Elisabeth Masé mit ihrem Prosadebut „Das schlafende Krokodil“ zur Verfügung stellen. Der Abend wurde von der Künstlerin Florica Marian moderiert. Gerne teilen wir ein paar bildhafte Erinnerungen mit Ihnen und freuen uns ebenso, Ihnen den vorgelesenen Stück aus dem Buch als Podcast zu präsentieren.

An der Lesung hat Elisabeth Masé auch noch vier Bilder von ihr im Labyrinth ausgestellt, die bis Ende April bei uns im Laden zum Verkauf stehen. Der Preis für ein Bild beträgt CHF 1’900, wobei beim Kauf eines Bildes ein Künstlerinnen-Buch im Wert von CHF 80 inklusive ist.
Kommen Sie bei Interesse gerne im Laden vorbei oder kontaktieren Sie uns, falls Sie Fragen haben. Die Bilder finden Sie unten in der Galerie.

Und hier geht es zur Podcast Aufnahme der Lesung:

Zur Aufnahme

Fotos: Domenique Zehntner

Lyrik im Labyrinth mit Wolfram Malte Fues und Elisabeth Wandeler-Deck

Donnerstag, 28. Oktober 2021, 19:00

Wolfram Malte Fues und Elisabeth Wandeler-Deck sprechen über  ihre lyrische Auseinandersetzung mit dem Bild, dem Bildlichen und dem Abgebildeten. Ihre Bücher gehen auf besondere und eigentümliche Weise mit Bildern um. Die Autorin und der Autor suchen nach der Lesung in gegenseitigem Nachfragen einen Weg durch das jeweilige Text/Bild-Labyrinth zu bahnen.

Lesung und Gespräch. Gespräch und Apéro. Bilder, Bilder, Bücher, Bücher.

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