Turia & Kant Verlag, Wien – «Mit fremdem Blick»

Der Turia & Kant Verlag wurde 1988 in Wien von Ingo Vavra gegründet – also vier Jahre nach der Gründung unserer Buchhandlung – mit der Ausrichtung auf Geisteswissenschaften.

Es sind eigentliche Kreuzungen und Begegnungen aus Philosophie und Psychoanalyse (Derrida – Lacan, Zizek), aus Psychoanalyse und Rechtswissenschaft (Pierre Legendre), aus Philosophie oder Psychoanalyse und Kolonialtheorie (Achille Mbembe, Frantz Fanon),  aus Philosophie oder Psychoanalyse und Kulturwissenschaft (Homi K. Bhabha ), aus Philosophie und Politiktheorie (Spivak), aus Philosophie und Literatur (Blanchot) resp. Literaturwissenschaft (Lacoue-Labarthe, Nancy), die neue übergreifende Denkmöglichkeiten eröffnen. Diese Denkweisen konstituieren jeweils auch ein authentisches Vokabular, eine eigene Sprache.

Die Denker, mit denen uns der Turia & Kant Verlag bekannt macht, verbinden Dissonantes und Fremdes mit dem Eigenen. Man könnte den Titel eines seiner Bücher über das Verlagsprogramm setzen («Mit fremdem Blick»), um daraus den spezifischen, den individuellen Geisteszustand (besser im Plural: Geisteszustände) zu beschreiben.

Der Denker geht dabei aus von grundsätzlichen, grundlegenden Fragen: Warum?, Warum leben?, Warum dieses Leben?, diese Existenz?, Was tun?, Was will der Mensch?

«Es kommt alles darauf an zu wissen […], wie man daran arbeiten kann, als Subjekt die Karte zurückzuspielen.» (Legendre 13)

Es geht also um Konstruktionen des Subjekts, der Vernunft und der (Um-)Welt. Dies geschieht (1) mit Hilfe eines Blicks von aussen (Kolonialtheorien, Ethnologie, Anthropologie) – wir zeichnen die Karte neu. (2) Mit Hilfe eines Blicks auf sich selbst (Psychoanalyse) – wir analysieren die Karte. (3) Mit Hilfe eines neuen Blicks von sich auf seine (Um-)Welt (Philosophie) – als Subjekt mit der Karte in der Hand.

Die Bücher aus dem Turia & Kant Verlag gehen mit einer Haltung, die den Satz vom Widerspruch verinnerlicht hat, an «die Nervenbahnen des Abendlandes» und konfrontieren Konformismen, Ideologien, Machtausübungen, die sich alles erlauben.

Die Turia & Kant Bücher sind eine spannende Herausforderung ans Lesen und erfordern vom Leser und von der Leserin sich auf den neuen Kosmos dieses Buchs und dieses Autors einzulassen. Wir gehen auf Bruchlinien und dürfen nicht frustriert sein zurückzugehen, und dürfen keine Angst haben zu springen.